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Der Blankschaft-Test wird gerade im Recurvebereich oft verwendet um die Abstimmung des Bogens und des Pfeils zu überprüfen und zu verfeinern. Hauptsächlich geht es dabei darum den dynamischen Spine des Pfeils anzupassen.

DieTrefferlage des unbefiederten Blankschafts im Verhältnis zur befiederten Gruppe gibt Aufschlüsse über notwendige Tuning-Maßnahmen am Bogen oder am Pfeil.

Der Blankschaft

Blankschaft

Pfeile mit Befiederung und ein Blankschaft

Der Blankschaft oder Rohschaft oder auch “der Unbefiederte” ist ein Pfeil gleicher Art wie seine befiederten Nachbarn aus dem Satz – nur ohne Federn.

Der Blankschaft sollte möglichst identisch sein mit den Befiederten: gleiche Länge, gleiche Nocken, gleiche Spitze und gleiches Insert und gleiches Gewicht.
Auch der F.O.C. sollte gleich sein.

Da ein Pfeil ohne Befiederung aber immer etwas leichter ist und immer einen etwas höheren F.O.C. hat muss das fehlende Gewicht am hinteren Ende ausgeglichen werden.
Eine Möglichkeit besteht darin, dass fehlende Gewicht mit ein wenig Klebeband auszugleichen.
Für Schützen mit Spin-Wings kann auch Folgendes funktionieren: Die Spin-Wings am Blankschaft einfach mit einem Stück Zahnseide fest um den Pfeil binden.

Der hintere Gewichtsausgleich sollte den Pfeilflug nicht stören, also nicht an der Pfeilauflage oder am Button hängen bleiben und den Pfeil im Flug nicht stabilisieren.

Der Blankschaft-Test dient dazu zu beurteilen, wie der Pfeil den Bogen verlässt.

Der erste Blankschaft-Test sollte auf sehr kurze Entfernung, etwa 5 Meter, durchgeführt werden. Wenn die Ergebnisse zufriedenstellend sind kann bis zu einer Entfernung von 15 oder 20 Metern weiter geprüft werden.

Manche Schützen führen sogar auf 30 oder mehr Meter noch Blankschaft-Tests durch. Allerdings wird selbst ein unbefiederter Pfeil irgendwann im Flug stabilisiert. Da braucht es schon viel Erfahrung um das Ergebnis noch beurteilen zu können.

Durchführung

Um einen Blankschaft-Test durchführen zu können muss die Grundeinstellung des Bogens schon einmal stimmen; Tiller, Center-Shot, Standhöhe, Auflage und Nockpunktüberhöhung sollten mindestens nach Augenmaß passen.

Auch die äußeren Bedingungen sollten Stimmen – starker Wind oder Regen zum Beispiel wird das Ergebnis verfälschen.

Der Schütze sollte außerdem schon einen relativ gleichmäßigen, wiederholbaren Schussablauf haben. Außerdem muss der Schütze bereits eine gute Gruppierung auf die geschossene Entfernung erreichen können. Schießfehler wirken sich stärker auf den Blankschaft aus als auf befiederte Pfeile.

Geschossen werden immer mindestens drei befiederte Pfeile und mindestens ein Unbefiederter. Der Test sollte auch mehrere Male wiederholt werden.

Am besten werden mindestens drei befiederte und mindestens drei unbefiederte Pfeile abwechselnd geschossen. Wenn die Pfeile durchnummeriert sind kann der Schütze auch die Pfeile ausschließen, bei denen er im Abschuss kein gutes Gefühl hatte.

In der nachfolgenden Tabelle sind die unterschiedlichen Möglichkeiten dargestellt, welche Ergebnisse der Test bringen kann und welche Maßnahmen zur Verbesserung führen können. Alle Bilder beziehen sich auf einen Rechtshandschützen; für den Linkshandschützen gelten die Links- und Rechtsabweichungen entsprechend umgekehrt.

Nach jeder Korrektur sollte zunächst wieder das Visier eingestellt werden um eine gute Gruppierung in der Mitte der Auflage zu erreichen. Es sollte zunächst immer erst die Nockpunktüberhöhung angepasst werden, bevor die seitliche Abweichung korrigiert wird.

Blankschaft hoch

Blankschaft zu Hoch

Der Blankschaft ist im Gegensatz zur Pfeilgruppe zu Hoch

Trifft der Blankschaft die Auflage deutlich über der Gruppe so ist der Nockpunkt zu tief auf der Sehne befestigt.
Die Nockpunktüberhöhung sollte vergrößert werden.

Blankschaft tief

Der Blankschaft ist im Gegensatz zur Pfeilgruppe zu tief

Der Blankschaft ist im Gegensatz zur Pfeilgruppe zu tief

Ein tiefer Treffer deutet darauf hin dass der Nockpunkt zu hoch auf der Sehne sitzt.
Die Nockpunktüberhöhung sollte verringert werden.

Blankschaft links

Der Blankschaft ist im Gegensatz zur Pfeilgruppe zu weit links

Der Blankschaft ist im Gegensatz zur Pfeilgruppe zu weit links

Trifft der Blankschaft die Auflage links von der Gruppe so reagiert der Pfeil zu hart. Das bedeutet dass der dynamische Spine zu niedrig ist. Später gebe ich Anregungen dazu wie der Pfeil “weicher” gemacht werden kann.

Blankschaft rechts

Der Blankschaft ist im Gegensatz zur Pfeilgruppe zu weit rechts

Der Blankschaft ist im Gegensatz zur Pfeilgruppe zu weit rechts

Wenn der Unbefiederte die Auflage rechts neben der Gruppe trifft so reagiert der Pfeil zu weich, also der dynamische Spine ist zu hoch.
Auch dazu gibt es weiter unten Anregungen.

Günstige Trefferlage

Die nächsten zwei Bilder zeigen eine günstige Trefferlage:

Der Blankschaft ist mittig in der Pfeilgruppe

Der Blankschaft ist mittig in der Pfeilgruppe

Trifft der Blankschaft die Auflage “in der Gruppe”, also mit den anderen Pfeilen zusammen, so ist die Abstimmung perfekt.
Es sollten nun alle Bogen- und Pfeildaten im Schießbuch notiert werden. Sollte bei einer anderen Tuning-Methode der Blankschaft wieder stärker von der Gruppe abweichen, so kann die Einstellung schnell rückgängig gemacht werden wenn alles sauber dokumentiert wurde.

Der Blankschaft ist im Gegensatz zur Pfeilgruppe leicht links und leicht tief

Der Blankschaft ist im Gegensatz zur Pfeilgruppe leicht links und leicht tief

Vor allem Blankbogenschützen bevorzugen es wenn der Blankschaft etwas links tief von der Gruppe einschlägt.

Durch das Stringwalking, also das Abgreifen auf der Sehne unterhalb der Nocke wird der Pfeil auf kurzen Entfernungen weniger weit ausgezogen als auf langen Entfernungen und reagiert dadurch etwas härter. Dadurch ändert sich auch das Kräfteverhältnis der Wurfarme und der Pfeil schlägt auf kurze Entfernungen etwas tiefer ein.

Korrekturen

Nockpunkt

Trifft der Blankschaft die Auflage zu hoch oder zu tief, so stimmt die Nockpunktüberhöhung nicht:

  • Ein Blankschaft der die Scheibe zu tief trifft zeigt einen zu hohen Nockpunkt an.
    Der Nockpunkt sollte ein oder zwei Millimeter nach unten versetzt werden und der Blankschaft-Test entsprechend wiederholt werden.
  • Wenn der Blankschaft oberhalb der Gruppe trifft, so ist der Nockpunkt zu tief.
    Den Nockpunkt ein bis zwei Millimeter nach oben versetzten und den Test wiederholen.

Pfeil zu hart

Wenn der Blankschaft links von der befiederten Gruppe die Auflage trifft, so reagiert der Pfeil im Abschuss zu hart. Der Pfeil schwingt also zu langsam und wird vom Bogenfenster nach links weg gedrückt.

Folgende Möglichkeiten können den dynamischen Spine des Pfeils so verändern, dass er weicher reagiert:

Am Bogen

  • Zuggewicht erhöhen – der Pfeil wird stärker beschleunigt und reagiert weicher
  • Standhöhe verringern – der Pfeil wird länger beschleunigt und reagiert weicher
  • leichtere (dünnere) Sehne verwenden – durch eine leichtere Sehne (weniger Stränge) wird der Pfeil stärker beschleunigt und reagiert weicher
  • leichteren Nockpunkt verwenden (Garn statt Messing) – durch geringeres Gewicht an der Sehne wird der Pfeil stärker beschleunigt und wirkt weicher

Am Pfeil

  • schwerere Spitzen – die Spitze wird träger, der Pfeil biegt mehr durch und reagiert weicher
  • leichtere Befiederung, leichtere Nocken, kein Pin oder Bushing verwenden – das Ende des Pfeils wird flinker, der Pfeil biegt mehr durch und reagiert weicher

Am Button

Wer über einen verstellbaren Button verfügt kann kleine Abweichungen auch mit diesem korrigieren:

  • Federspannung verringern – durch Ausdrehen der Feder wird der Druck geringer und der Stift kann weiter eintauchen; der Pfeil wird nicht so stark nach links abgelenkt
  • Dünnere Feder verwenden – ist der Button schon ganz ausgedreht, kann eventuell noch eine dünnere, weichere Feder verwendet werden

Es sollte immer nur eine Maßnahme durchgeführt werden und die Änderung beobachtet und protokolliert werden.
Änderungen an der Gewichtsverlagerung des Pfeils wirken sich auch immer auf den F.O.C. aus.
Wird die Sehne ausgedreht um die Standhöhe zu verringern, so ändert sich auch das Zuggewicht ein wenig: Es nimmt ab, da der Bogen weniger stark vorgespannt ist.

Ist die Abweichung zu groß so hilft nur ein Pfeil mit einem höheren Spine-Wert – also einem Schaft der statisch schon weicher ist.

Pfeil zu weich

Trifft der Blankschaft immer rechts von der Gruppe so reagiert der Pfeil im Abschuss zu weich. Der Pfeil schwingt zu schnell und fliegt einen Bogen um das Bogenfenster herum und wird dann nach rechts abgelenkt.

Folgende Möglichkeiten können den dynamischen Spine des Pfeils so verändern, dass er härter reagiert:

Am Bogen

  • Zuggewicht senken – der Pfeil wird schwächer beschleunigt und reagiert härter
  • Standhöhe erhöhen – der Pfeil wird kürzer beschleunigt und reagiert härter
  • schwerere (dickere) Sehne verwenden – eine schwerere Sehne (mehr Stränge) verschluckt mehr Energie und der Pfeil wird schwächer beschleunigt und reagiert härter
  • schwereren Nockpunkt verwenden (Messing statt Garn) – durch mehr Gewicht an der Sehne wird der Pfeil weniger beschleunigt und wirkt härter
  • Sehnendämpfer verwenden – durch mehr Gewicht an der Sehne wird der Pfeil weniger beschleunigt und wirkt härter

Am Pfeil

  • leichtere Spitzen / Inserts – die Spitze wird flinker, der Pfeil biegt weniger durch und reagiert härter
  • schwerere Befiederung, schwerere Nocken, Pin, Bushing oder Wrap verwenden – das Ende des Pfeils wird träger, der Pfeil biegt weniger durch und reagiert härter

Am Button

Wer über einen verstellbaren Button verfügt kann kleine Abweichungen auch mit diesem korrigieren:

  • Federspannung erhöhen – durch Eindrehen der Feder wird der Druck höher und der Stift kann nicht so weit eintauchen; der Pfeil wird stärker nach links abgelenkt
  • Dickere Feder verwenden – ist der Button schon ganz eingedreht oder die Feder blockiert, kann eventuell noch eine dickere, härtere Feder verwendet werden

Es sollte auch hier immer nur eine Maßnahme durchgeführt werden. Änderung beobachten und protokollieren.
Änderungen an der Gewichtsverlagerung des Pfeils wirken sich auch immer auf den F.O.C. aus.
Wird die Sehne eingedreht um die Standhöhe zu erhöhen, so ändert sich auch das Zuggewicht ein wenig: Es nimmt zu, da der Bogen stärker vorgespannt ist.

Ist die Abweichung zu groß so hilft nur ein Pfeil mit einem niedrigeren Spine-Wert – also einem Schaft der statisch schon härter ist.

Warnhinweis

Pfeile die deutlich zu weich sind können beim Abschuss einknicken oder brechen und splittern. Das bedeutet Gefahr für sich und seine Nachbarn an der Schießlinie. Niemals mit zu weichen Pfeilen schießen und niemals mit beschädigten Pfeilen schießen.

Im Anschluss an den Blankschaft-Test kann nun der Berger-Test durchgeführt werden. Dadurch wird die seitliche Einstellung von Pfeilauflage und Pfeilanlage (Button) noch präziser abgestimmt.

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