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Lesezeit: ~ 6 Minuten

Nachdem heute mal wieder ein regnerischer Frühlingstag war machte ich mich etwas an die Materialpflege.
Heute habe ich begonnen einen neuen Satz Pfeile zu bauen.

Dieses Mal habe ich noch den Fotoapparat geschnappt, um gleich eine kleine Dokumentation daraus entstehen zu lassen.

Pfeilbau 1.0: Spitze, Federn und eine Grainwaage

Materialien beim Pfeilbau: Spitze, Federn und eine Grainwaage

In den ersten Schritten dieses “Howto” zeige ich hier, wie der Pfeilschaft vorbereitet wird und die Spitzen eingeklebt werden.

Die Pfeile werde ich mit meinem Compound-Bogen verwenden, daher sind sie etwas härter, als für einen Recurve-Bogen.

Komponenten

Ich habe mich für diese Komponenten entschieden:

Vorbereitung

Vor dem ersten Arbeitsschritt wird zunächst mal das Werkzeug zusammengesucht und ordentlich ausgebreitet.

Für das Einkleben der Spitzen im Pfeilbau verwende ich:

  • eine Grainwaage
  • ein Maßband
  • eine Flachfeile
  • eine kleine Rundfeile (z. B. zum Schärfen von Kettensägen)
  • Aceton
  • Wattestäbchen
  • Küchenkrepp
  • Zweikomponenten-Epoxidharz-Klebstoff
  • Zettel und Stift

Ich habe auch ein Pfeil-Datenblatt erstellt, mit dem gleich alle Informationen zu dem neuen Pfeilsatz notiert werden können.

Ausmessen

Bevor die Arbeit richtig losgeht messe ich erst einmal alle Komponenten aus und notiere mir die Daten.

Grainwaage

Pfeilbau 1.0: Spitze, Federn und eine Grainwaage

Pfeilbau 1.0: Spitze, Federn und eine Grainwaage

Mit der Grainwaage können die einzelnen Bauteile genau ausgewogen und verglichen werden.

Spitze wiegen

Pfeilbau 1.1: Auswiegen der Spitze

Pfeilbau 1.1: Auswiegen der Spitze

Zunächst wiege ich alle Spitzen aus. Diese Spitzen sind sehr genau gearbeitet und wiegen alle 80,0 grain.
Sollte mal eine Spitze schwerer sein, als die anderen, so kann mit der Flachfeile vorsichtig etwas vom Ende der Spitze abgefeilt werden, damit das Gewicht wieder passt; sollte eine Spitze zu leicht sein, so kann diese entweder mit mehr Klebstoff eingeklebt werden, oder bei einer zu großen Abweichung verwende ich diese Spitze nicht – oder nur für Trainingspfeile.

Nocke wiegen

Pfeilbau 1.2: Nocke wiegen

Pfeilbau 1.2: Nocke wiegen

Auch die Nocken werden ausgewogen und begutachtet: sollte eine Nocke beschädigt sein, viel zu leicht oder zu schwer sein, wandert diese sofort in den Mülleimer. Die Nocke muss beim Abschuss die ganze Energie des Bogens auf den Pfeil übertragen – da gehe ich kein Risiko ein.

Feder wiegen

Pfeilbau 1.3: Feder wiegen

Pfeilbau 1.3: Feder wiegen

Wie bei den Nocken auch werden die Federn überprüft uns ausgewogen.
Defekte oder stark abweichende Federn werden gleich entsorgt.

Schaft wiegen

Pfeilbau 1.4: Schaft wiegen

Pfeilbau 1.4: Schaft wiegen

Auch die Pfeilschäfte werden gewogen.

Hier gibt es manchmal gravierende Unterschiede in den einzelnen Herstellungschargen.

Die von mir hier verwendeten Pfeile wurden bereits beim Hersteller sortiert und in Sätzen von gleichem Gewicht verpackt. Der Satz war mit 214 grain markiert und das hat auch die Kontrolle daheim ergeben; 12 Pfeile – keine Abweichung.

Schaft messen

Pfeilbau 2: Schaft messen

Pfeilbau 2: Schaft messen

Alle Pfeilschäfte sollten die gleiche Länge haben, daher noch mal nachmessen und aufschreiben.

Schaft und Spitze bearbeiten

Schaft innen aufrauhen

Pfeilbau 3.1: Schaft innen aufrauhen

Pfeilbau 3.1: Schaft innen aufrauhen

Damit die Spitze ordentlich im Pfeilschaft hält, rücke ich der Innenseite des Schafts mit einer Feile auf die Pelle.

Ganz vorsichtig wird das vordere Ende ein wenig aufgeraut.

Pfeilbau 3.2: Aufrauhen und Entgraten

Pfeilbau 3.2: Aufrauhen und Entgraten

Nicht zu viel Druck ausüben, die Innenseite soll nur ein wenig rau werden, aber nicht gleich durchgefeilt.

Schaft innen reinigen

Pfeilbau 4.1: Aceton auf einem Wattestäbchen

Pfeilbau 4.1: Aceton auf einem Wattestäbchen

Mit ein paar Wattestäbchen und Aceton werden nun die Spitze und die Innenseite des Pfeilschafts gereinigt.

Pfeilbau 4.2: Reiningen des Schafts

Pfeilbau 4.2: Reiningen des Schafts

Einfach mit dem Wattestäbchen in den Pfeil und ein paar Mal hin und her und links und rechts drehen.

Pfeilbau 4.3: Schmutzige Wattestäbchen

Pfeilbau 4.3: Schmutzige Wattestäbchen

Sollte noch zu viel Schmutz an der Watte haften, den Vorgang ruhig noch mal durchführen.

Je besser der Schaft gereinigt wird, umso besser hält später die Spitze.

Pfeilbau 5.1: Spitze aufrauhen

Pfeilbau 5.1: Spitze aufrauhen

Dann ist die Spitze an der Reihe: mit der Pfeile wird auch hier die Oberfläche ein bisschen aufgeraut. Dadurch hält die Spitze noch ein wenig besser im Pfeil.

Spitze reinigen

Pfeilbau 6.1: Spitze mit Aceton reiningen

Pfeilbau 6.1: Spitze mit Aceton reiningen

Die Spitzen müssen dann auch ordentlich mit Aceton gereinigt werden; es sollten weder Staub noch Fett zurückbleiben.

Pfeilbau 6.2: Gereinigte Spitze

Pfeilbau 6.2: Gereinigte Spitze

… so lange weiter reinigen, bis kein Schmutz mehr da ist.

Kleber anrühren

Pfeilbau 7.1: Zwei-Komponenten-Kleber

Pfeilbau 7.1: Zwei-Komponenten-Kleber

Nun kann der Klebstoff vorbereitet werden.

Zum Verkleben von Spitzen in Vollcarbon-Pfeilen sollte grundsätzlich nur 24-Stunden Epoxid-Kleber verwendet werden.

ACHTUNG: Niemals Heißkleber mit Vollcarbonpfeilen verwenden. Die Hitze, löst den Klebstoff zwischen den Carbonfasern auf und lässt den Pfeil porös werden. Als Folge splittert das Material nach kurzer Zeit und kann gefährliche Verletzungen verursachen.

Pfeilbau 7.2: Kleber anrühren

Pfeilbau 7.2: Kleber anrühren

Zum Verkleben der Spitzen wird nicht viel Klebstoff benötigt. Einfach zwei kleine Streifen von Harz und Härter in die Mischwanne geben und ordentlich vermischen.

Kleber verarbeiten

Pfeilbau 7.3: Epoxydkleber vermischen

Pfeilbau 7.3: Epoxydkleber vermischen

Ich verwende übrigens UHU Endfest 300. Dieser Klebstoff ist nach dem Anrühren noch 10 bis 15 Minuten lang zu verarbeiten. Danach beginnt bereits der Härtungsprozess. Auf keinen Fall darf das Aushärten mit Hitze beschleunigt werden, dass würde dem Carbon Schaden zufügen.

Spitze einkleben

Spitze einkleben

Pfeilbau 8.1: Spitze mit Klebstoff

Pfeilbau 8.1: Spitze mit Klebstoff

Nun geht es daran, die Spitzen einzukleben. Dazu wird der hintere Teil der Spitze mit Klebstoff bestrichen. Nicht zu viel, sonst drückt es später noch Kleber heraus.

Pfeilbau 8.2: Klebstoff nur dünn auftragen

Pfeilbau 8.2: Klebstoff nur dünn auftragen

Es ist nicht notwendig, die ganze Spitze mit Klebstoff zu bestreichen. Der Klebstoff wird später im Schaft und an der Spitze verteilt.Achte darauf, dass kein Klebstoff hinter der Spitze landet, der würde sonst das Gewicht erhöhen (außer die Spitze war zu leicht und du willst das Gewicht absichtlich erhöhen)

Pfeilbau 8.3: Spitze in den Schaft einsetzen

Pfeilbau 8.3: Spitze in den Schaft einsetzen

Die Spitze wird nun langsam in den Schaft geschoben. Dabei die Spitze immer ein wenig hin und her drehen und auch noch mal wieder ganz herausziehen und neu einsetzen. Kein Klebstoff hinter der Spitze. Achte darauf, dass die Vertiefungen in der Spitze auch ordentlich mit Klebstoff gefüllt sind und das sich keine Luftblasen bilden.

Pfeilbau 8.4: Klebstoff gleichmäßig verteilen

Pfeilbau 8.4: Klebstoff gleichmäßig verteilen

Die kleine Fuge zwischen Carbon und Stahl sollte auch mit Klebstoff gefüllt sein. Wenn sich eine kleine Wulst überstehenden Klebstoffs bildet, dann entferne diesen mit einem Küchentuch.

Spitze festdrücken

Pfeilbau 8.5: Spitze fest andrücken

Pfeilbau 8.5: Spitze fest andrücken

Zum Schluss drücke ich den Pfeil mit der Spitze noch fest auf ein Holzbrett, damit keine Luftblasen im Spalt bleiben und die Spitze eng am Schaft anliegt.

Kleber trocknen

Pfeilbau 9: Klebstoff trocknen lassen

Pfeilbau 9: Klebstoff trocknen lassen

Ich stelle die Pfeile zum Trocknen immer auf die Spitze. So kann sie nicht verrutschen und sitzt später bombenfest am Schaftende.

Mindestens 24 Stunden warten, bis der Kleber vollständig ausgehärtet ist.

ACHTUNG: Es darf bis jetzt noch keine Nocke eingesetzt werden. Manche Klebstoffe bilden beim aushärten Gase, die sich ausdehnen. Im dümmsten Falle würde das die Spitze dann wieder aus dem Pfeil rausdrücken bevor der Kleber ganz getrocknet ist. Ohne Nocke können diese Gase am anderen Ende entweichen.

Hier geht es weiter mit Pfeilbau – Teil 2.

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