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In Episode 17 “Peep-Sight” hat Alistair Whittingham ja schon den Einfluss der Peep-Sight-Höhe auf das Zielverhalten und die Haltung beim Schießen erörtert. Zum Besseren Verständnis möchte ich noch ein paar Bilder als Beispiele zeigen, wie sich die Höhe des Peep-Sights und des Scopes auf das Zielen und auch auf die Kopfhaltung und auf den Schussablauf auswirkt.

Optische Achsen am Auge und am Bogen

Optische Achsen am Auge und am Bogen

Die optischen Achsen

Ausschlaggebend für das Zielen ist natürlich die optische Achse, die vom Auge zur Scheibenmitte führt: Das Licht fällt von der Mitte der Scheibe in einer geraden Linie in unser Auge.

Der Bogen selbst verfügt auch über eine optische Achse – diese läuft durch das Scope und das Peep-Sight.
Um beim Schuss sauber Zielen zu können muss nun das Scope mit dem Zielpunkt und der Linse und das Peep-Sight exakt in diesen Lichtstrahl eingesetzt werden – die beiden optischen Achsen müssen also identisch verlaufen.

Der Pfeil selbst fliegt jedoch nicht auf einer geraden Linie, sondern in einer ballistischen Kurve zur Scheibe; je weiter Bogen und Scheibe voneinander entfernt sind, desto steiler muss der Pfeil nach oben geschossen werden um das Ziel zu treffen.

Und nun gibt es eine Menge von Faktoren die es erschweren, das Scope und das Peep exakt auf die optische Achse zwischen Auge und Scheibe zu bringen:

Das Peep-Sight befindet sich in der Bogensehne und im Auszug ein paar Zentimeter vor dem Auge.
Das Scope befindet sich an einem Visierausleger, der Starr mit dem Bogen verbunden ist.
Das Peep-Sight und das Scope befinden sich ein paar Zentimeter oberhalb des aufgelegten Pfeils.
Das hintere Ende des ausgezogenen Bogens befindet sich am Ankerpunkt des Schützen.
Soll nun mit dem Bogen flacher oder steiler geschossen werden, so muss der Bogen quasi um den Ankerpunkt gedreht werden.
Wenn der Schütze dabei eine saubere Haltung einhält, so führt er diese Drehung mit einem Abknicken des Oberkörpers in der Hüfte durch.
Dadurch bleibt die komplette Haltung im Schulter-, Arm- und Kopfbereich identisch.

Die Grundhaltung

Die Grundhaltung

leichte Bergauf-Schüsse

leichte Bergauf-Schüsse

Allerdings befindet sich jetzt das Ziel nicht mehr geradeaus vor dem Schützen, sondern er muss nun tiefer Blicken um die Scheibenmitte sehen zu können.
Um nun wieder zielen zu können muss natürlich auch das Scope am Visierausleger weiter unten angebracht werden.
Dadurch verändert sich jedoch die optische Achse, da diese am Bogen ja durch Scope und Peep bestimmt wird und beim Schützen durch Auge und Scheibenmitte.

In den folgenden Bildern erleutere ich das noch deutlicher:

Visierachse und Bogenachse liegen gleich

Anker vorne, Visier 18m

Visierachse und Bogenachse liegen gleich

Das Visier ist auf eine kurze Distanz eingestellt.
Die Achse zwischen Auge und Scheibe verläuft identisch mit der Achse zwischen Scope und Peep-Sight.

Visier und Bogenachse laufen geringfügig auseinander

Anker vorne, Visier 30m

Visier und Bogenachse laufen geringfügig auseinander

Das Visier ist auf eine mittlere Distanz eingestellt.
Die Achse zwischen Auge und Scheibe verläuft schon nicht mehr ganz identisch mit der Achse zwischen Scope und Peep-Sight.
Der Fehler kann jedoch durch minimale Änderungen in der Kopf- oder Handhaltung am Ankerpunkt ausgeglichen werden.

Visier und Bogenachse laufen stark auseinander

Anker vorne, Visier 90m

Visier und Bogenachse laufen stark auseinander

Das Visier ist auf eine große Distanz eingestellt.
Die Achse zwischen Auge und Scheibe weicht deutlich von der Achse zwischen Scope und Peep-Sight ab.
In dieser Haltung wird der Blick durch das Scope vom Peep-Sight eingeschränkt oder vollkommen verdeckt.
Beim Blick durch das Peep-Sight kann das Scope nicht mehr gesehen werden.
Der Fehler kann auch nicht mehr durch minimale Änderungen ausgeglichen werden; der Schütze müsste seinen Ankerpunkt verlassen und das Release tiefer halten.
Das würde bedeuten, dass er mindestens einen statischen Referenzpunkt für das Ankern aufgeben müsste.
Gerade bei den großen Distanzen wird das Zielen dadurch extrem schwierig und die Fehleranfälligkeit steigt stark an.
Der Ablauf ist somit auch nicht mehr reproduzierbar.

Problembehebung

Nun stellt sich natürlich die Frage, mit welchen Möglichkeiten kann diesem Problem entgegen gegangen werden?
Es gibt unterschiedliche Ansätze, jeder davon hat jedoch Vor- und Nachteile.

Näher vor dem Auge

Eine Möglichkeit besteht darin, dass Peep-Sight prinzipiell immer näher vor dem Auge zu haben. Das geht jedoch in den meisten Fällen nur durch eine Veränderung des Ankerpunktes und der weiteren Referenzpunkte. Außerdem ändert sich durch eine Verlagerung des Ankerpunkts nach hinten auch die Auszuglänge des Schützen.

Der Abstand zwischen Peep-Sight und Auge hängt auch vom Winkel der ausgezogenen Sehne ab: An einem Bogen mit geringem Achsabstand ist der Winkel steiler, dass Peep also auch weiter vom Auge entfernt als an einem Bogen mit großem Achsabstand und einem flacheren Sehnenwinkel.

Der Abstand kann auch durch das verwendete Loop verändert werden. Wenn das Loop verkürzt werden kann und der Auszug des Bogens geringfügig verlängert werden kann, so bleibt der Auszug des Schützen erhalten, der Ankerpunkt ändert sich nicht, aber die Sehne kann näher an das Gesicht und das Peep-Sight somit näher vor das Auge geführt werden.

Eventuell kann ein anderes Release verwendet werden, bei dem der Punkt, an dem das Release im Loop oder in der Sehne eingehängt wird näher am Griff, näher an der Hand des Schützen ist.

Im Folgenden habe ich wieder ein paar Bilder erstellt, die die Änderungen aufzeigen:

veränderter Ankerpunkt – Visier auf 30 Meter

Anker hinten, Visier 30m

veränderter Ankerpunkt – Visier auf 30 Meter

Wird durch Ändern des Ankerpunktes das Peep-Sight näher vor das Auge gebracht, so verschieben sich die optischen Achsen nicht zu stark gegeneinander.

veränderter Ankerpunkt – Visier auf 90 Meter

Anker hinten, Visier 90m

veränderter Ankerpunkt – Visier auf 90 Meter

Auch bei größeren Entfernungen verschieben sich die Achsen zwischen Bogen (Peep und Scope) und Schützen (Auge und Scheibe), allerdings ist die Abweichung geringer und der Fehler kann durch minimale Änderungen in der Kopf- und Handhaltung ausgeglichen werden.

In der Mitte der Entfernungen

Wenn eine Änderung der Ankerposition oder des Setups mit Loop und Release nicht in Frage kommt, gibt es noch die Möglichkeit, dass Peep-Sight für die großen und die kleinen Distanzen unterschiedlich anzupassen.

Das geht natürlich nur bei Turnieren auf bekannte Entfernungen. Für einen Feldbogen- oder einen 3D-Schützen kommt diese Maßnahme nicht in Frage.

Um die Peep-Sight-Position für einen Feldbogenschützen so bequem wie möglich einzurichten ist es eigentlich ganz einfach:
Der Schütze muss normalerweise zwischen 10 und 60 Meter Entfernungen schießen. Die Mitte zwischen diesen Entfernungen ist also 35 Meter. Wenn der Schütze nun das Scope und das Peep-Sight so einstellt, dass es in einer neutralen, optimalen Haltung bei 35 Metern Entfernung die Achse zwischen Auge und Scheibe und die Achse zwischen Scope und Peep identisch sind, so gibt es bei den kurzen Entfernungen und bei den weiten Entfernungen nur geringe Abweichungen. Diese können durch eine minimale Änderung in der Haltung kompensiert werden. Zum Beispiel kann die Release-Hand etwas steiler oder etwas flacher am Ankerpunkt gehalten werden um den Fehler zu korrigieren.

Zwei Peep-Positionen

Für den Scheibenschützen gibt es eine andere Möglichkeit:

Für die Entfernungen 90 Meter und 70 Meter wird das Peep-Sight in einer tiefen Position an der Sehne befestigt. Idealerweise wird diese Position bei zirka 80 bis 82 Metern Entfernung ermittelt.
Der Abstand zwischen Nockpunkt und Peep-Sight wird so genau wie möglich ausgemessen, damit er reproduzierbar eingestellt werden kann.

Für die Entfernungen 50 Meter und 30 Meter wird das Peep-Sight dann in eine höhere Position verschoben. Oft reichen hier zwei bis vier Millimeter aus. Die Position sollte für 40 Meter angenehm eingestellt werden.
Auch hier muss der Abstand genau nachgemessen werden.

Die Visiereinstellungen ändern sich dabei natürlich in Abhängigkeit von der Verschiebung und vom Sehnenwinkel:
Wenn der Sehnenwinkel beim Auszug 45° ist, so ändert sich die Visiereinstellung genau um die Hälfte. Wird also das Peep-Sight um drei Millimeter nach oben verschoben, so verschieben sich die Visiereinstellungen um 1,5 mm nach oben.
Wenn der Sehnenwinkel beim Auszug 33° ist, so ändert sich die Visiereinstellung um zwei Drittel. Wird das Peep-Sight also wieder um drei Millimeter verschoben, so ändert sich die Visiereinstellung um zwei Millimeter.

Ein weiteres Problem, dass durch das Verschieben des Peep-Sights auftritt ist die Peep-Rotation, also die Verdrehung des Peep-Sights in der Sehne. Bei einer Verschiebung von ein paar Millimetern sind diese zwar nur gering, machen sich jedoch eventuell dennoch bemerkbar.

Dazu gibt es eine relativ einfache Abhilfe:
Wenn der Schütze ein D-Loop verwendet und dieses ordentlich an der Sehne angeknotet ist, so besteht eine sehr steife Verbindung zwischen Loop und Mittenwicklung. Durch leichtes drehen des Loops kann damit auch die Drehung des Peep-Sights gesteuert werden.

Wie ein solches D-Loop angefertigt wird habe ich bereits in einem anderen Artikel beschrieben: Wie man ein D-Loop richtig anfertigt.

Ich hoffe, ich konnte das Problem ein wenig genauer beleuchten und Möglichkeiten zur Abhilfe zeigen.

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