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Was ist ein Stabilisator im Bogensport?

Einer der Begriffe, die jeder Bogenschütze kennt und die jeder Anfänger schon zu Beginn seiner Ausbildung immer wieder hören wird ist der “Stabilisator”, auch “Stabi” genannt.

Aber was genau ist ein Stabilisator?

Stabilisator

Ein Stabilisator (engl. “Stabiliser”), auch Stabilisation genannt, ist beim Bogenschießen eine technische Bogenausstattung, die den Schwerpunkt des Bogens in einer oder mehreren Ebenen verändert, das Trägheitsmoment des Bogens positiv beeinflusst und die Schwingungen beim Pfeil-Abschuss dämpft.

Jeder Stabilisator verfügt über drei grundlegende Funktionen:

  1. Durch die Verwendung langer Rohre mit veränderbaren Gewichten an seinen Enden wird der Schwerpunkt des gesamten Bogens verändert. Häufig werden dazu besonders verwindungssteife Karbonrohre hergenommen, die an sich besonders leicht sind und dann am Ende mit einem Stahl oder Messinggewicht versehen.
    Dadurch wird der Schwerpunkt, der sich bauartbedingt zunächst zwischen Griffstück und Sehne befindet auf einen Punkt vor am oder vor dem Griffstück gebracht.
  2. Durch die Verwendung von Gummizwischenstücken zwischen dem Rohr und dem Gewicht sollen beim Abschuss auftretende Vibrationen reduziert werden. Diese Vibrationen haben zwar auf den Abschuss selbst keinen Einfluss, reduzieren jedoch die Materialbelastung nach dem Abschuss.
  3. Durch den veränderten Schwerpunkt und die Dämpfung der Schwingungen wird das Gefühl und das Feedback des Bogens an den Bogenschützen verbessert.

Stabilisator an einem Recurvebogen

Recurve Stabilisator

Recurvebogen mit Stabilisator

Ein Stabilisator, bzw. die Stabilisation an einem Recurvebogen besteht in der Regel aus vier Komponenten:

  1. Ein Vorbau welcher an die “Stabi-Buchse” des Mittelstücks angeschraubt wird.
    Der Vorbau besteht dabei normalerweise aus einer sogenannten “Spinne” (engl. “V-Bar”) und gelegentlich auch aus einer zusätzlichen Vorbauverlängerung (engl. “Extender”).
  2. Ein langer Front-Stabi oder Monostabi (englisch Long-Rod) mit einem Gewicht am langen Ende. Dieses Gewicht ist häufig durch ein Gummizwischenstück (“Schwabbel”) vom Rohr getrennt.
  3. Zwei kürzeren Seitenstabis mit Gewichten an den Enden. Gelegentlich werden auch unterschiedlich lange Seitenstabis an einem Bogen angebaut oder das Gewicht an den Enden wird unterschiedlich schwer ausgewählt. Durch die Seitenstabis soll der Bogen in noch mehr Rotations- und Kippebenen verlangsamt werden. Durch einen tieferen Schwerpunkt soll auch das Senkrechthalten des Bogens erleichtert werden.

Alle Komponenten der Stabilisation können dabei individuell auf die Bedürfnisse und das Empfinden des jeweiligen Bogenschützen abgestimmt werden:

  • Die Länge und Beschaffenheit des Front-Stabis kann variieren.
  • Das Gewicht am Ende oder eine Gewichtsverteilung entlang des Stabis kann verändert werden.
  • Die Festigkeit des “Schwabbels” kann variieren.
  • Der vertikale Winkel des Front-Stabis kann variieren.
  • Die Länge der Seitenstabis kann individuell gewählt werden.
  • Die Gewichte an den Enden der Seitenstabis kann verändert werden.
  • Der Anstellwinkel der Seitenstabis kann in der horizontalen und der vertikalen Ebene angepasst werden.
  • Die Stabis können über Schnellverschlüsse mit dem Vorbau oder dem Bogen verbunden werden.
  • Die Seitenstabis können fixiert oder frei schwingend aufgehängt werden.
Feldbogen mit Pendelspinne

Feldbogen mit Pendelspinne

Ein Bogen ohne angebaute Stabilisation neigt dazu, nach dem Abschuss dem Bogenschützen mit dem oberen Wurfarm auf den Kopf zu fallen. Dieses Verhalten ist oft irritierend und fühlt sich für den Schützen nicht natürlich an. Viele Schützen halten daher ihren Bogen beim Abschuss am Griffstück fest. Da dadurch jedoch der Pfeilflug negativ beeinflusst werden kann soll diesem Verhalten entgegengewirkt werden. Durch das Gewicht am Ende des Stabilisators bleibt der Bogen beim Abschuss nun quasi grade stehen oder kippt vom Schützen weg nach vorne hin ab. Dieses Verhalten wird dann als natürlich aufgefasst und unterstützt das Gefühl für einen guten Schuss.

Im Feldbogenschießen hat sich in den letzten Jahren immer mehr das Prinzip der “Pendelspinne” durchgesetzt. Dabei werden besonders lange Seitenstabis eingesetzt, die flexibel lagernd am Bogen befestigt werden und den Schwerpunkt stark nach unten verlagern. Dadurch kann besonders bei Bergauf-, Bergab- und bei Schüssen in der schiefen Ebene der Bogen besonders gut senkrecht ausgerichtet werden.

Stabilisator an einem Compoundbogen

Ein Compoundbogen mit Visier und Stabilisator.

Compoundbogen mit Stabilisator

Ein Stabilisator, bzw. die Stabilisation an einem Compoundbogen kann ganz unterschiedlich ausgeführt werden:

  • Die Stabilisation kann vergleichbar zu der eines Recurvebogens ausgeführt werden.
  • Die Stabilisation besteht nur aus einem Front-Stabi.
  • Die Stabilisation besteht aus einem Front-Stabi und einem Seiten-Stabi.
  • Der Frontstabi wird normal angebaut, der oder die Seitenstabis werden jedoch an einem tieferen Punkt des Bogens angeschraubt.

Auch hier werden die Komponenten auf die Bedürfnisse und Empfindungen des jeweiligen Bogenschützen abgestimmt.

Während der Recurveschütze seine Seitenstabis auch dazu einsetzt, den Bogen besser senkrecht halten zu können ist diese Aufgabe für den Compounbdschützen oft untergeordnet, da er an seiner Visiereinrichtung eine Wasserwaage verwenden darf.
Hier wird oft nur ein einzelner Seitenstabi eingesetzt, der dem merklich höheren Übergewicht auf der Seite des Bogenfensters und der Visiereinrichtung entgegenwirken soll.

Die Auswahl der Stabilisation

Welcher Stabi oder welche Kombination aus Elementen der Stabilisation ein Bogenschütze auswählt hängt ganz davon ab, welche Empfindungen beim Abschuss er hervorheben möchte. Einige Bogenschützen bevorzugen ein merkliches Vorkippen des Bogens, während andere Schützen eine ruhigen, “stehenden” Bogen bevorzugen.

Die individuell beste Stabilisation kann ein Schütze dabei nur durch ausprobieren unterschiedlicher Komponenten erfahren und erleben.

 

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