Home » Informationen » Glossar » Was ist der Ankerpunkt beim Bogenschießen?

Was ist der Ankerpunkt beim Bogenschießen?

Einer der Begriffe, die jeder Bogenschütze kennt und die jeder Anfänger schon zu Beginn seiner Ausbildung immer wieder hören wird ist der “Ankerpunkt”.

Aber was genau ist der Ankerpunkt?

Ankerpunkt

Als Ankerpunkt bezeichnet ein Bogenschütze eine Stelle in seinem Gesicht, an der er im Vollauszug seine Bogenhand platziert um einen wiederholbaren, konstanten Schuss zu erreichen. Der Ankerpunkt wird auch als “Referenzpunkt” bezeichnet.

Der Ankerpunkt im Technikleitbild

Im Positionsphasenmodell nach Oliver Haidn gehört der Ankerpunkt zur Positionsphase 3 (PP3).

Ankerpunkt bei Recurveschützen

Anker bei Recurveschützen

Anker beim Recurveschützen

Recurveschützen ankern, indem die Zughand mit der Sehne von unten am Kinn anliegt. Dabei wird auch oft von einem “festen Block” gesprochen. Der Zeigefinger liegt unter dem Unterkieferknochen. Der Daumeansatz liegt am großen Kopfwendermuskel (Musculus sternocleidomastoideus) an. Die Sehne verläuft dabei leicht seitlich am Kinn entlang und berührt zusätzlich die Nasenspitze. Dadurch kann ein Schütze vier bis fünf Referenzpunkte erspüren.

Ein konsistenter Ankerpunkt und eine konsistente Kopfpositionierung stellen beim Recurve-Bogen den hinteren Teil der Visierung dar. In der Vertikalen soll dabei immer der gleiche Höhenabstand zwischen Pfeil und Auge erreicht werden. In der Horizontalen wird dann zusätzlich die Position des Sehnenschattens als weitere Referenz hinzugezogen.

Einige Recurveschützen unterstützen die Wahrnehmung zusätzlich durch die Verwendung von sogenannten Kissern oder Kisserbuttons am Sehnenkontakt zum Mund oder zur Nase.

Ankerpunkt beim Compoundschützen

Anker bei Compoundschützen

Anker bei Compoundschützen

Compoundschützen ankern auf unterschiedliche Weise, vor allem in Abhängigkeit der von ihnen verwendeten Lösehilfe (Release-Aid oder einfach Release).
Einer der häufigsten Ankerpunkte ist dabei der Kontakt eines Zeigefingerknochens mit der Beugung am Ende des Unterkieferknochens bei einem Release, das in der Zughand gehalten wird.
Für Schützen mit Handschlaufen-Releases wird häufig der Zeigefingerknöchel unter dem Ohrläppchen an den Unterkieferknochen gedrückt. (Dabei ist jedoch zu beachten, dass der Abstand zwischen Auge und Pfeil schon recht gering ist, was vor allem bei weiten Schüssen zu Problemen mit der Visierung führen kann.
Der Sehnenverlauf am Gesicht ist hier sehr stark durch die Art des Compoundbogens und die Auszuglänge des Schützen bestimmt. Einige Compoundschützen verwenden ähnliche zusätzliche Referenzpunkt an Mund und Nase, wie die Recurveschützen, andere Compoundschützen haben gar keinen weiteren Sehnenkontakt.

Da  beim Compoundbogen in der Regel ein Sehnendiopter (Peep-Sight) zum Einsatz kommt ist der Ankerpunkt für die Visierung nicht so kritisch, wie bei Recurveschützen.

Ankern beim Blankbogenschützen

Anker bei Blankbogenschützen

Anker bei Blankbogenschützen

Da Blankbogenschützen häufig über die Pfeilspitze zielen ist für sie ein etwas höherer Ankerpunkt erforderlich als für Recurveschützen. Die meisten Blankbogenschützen nutzen daher Referenzpunkt im Gesicht, bei denen z. B. der Zeigefinger der Zughand in den Mundwinkel gebracht wird und der Daumen- oder der Zeigefingerknöchel von der Wange her unter das Jochbein gedrückt wird. Dabei wird die Sehne an der Nase vorbeigezogen, wodurch dieser weitere Referenzpunkt entfällt.
Wie für Recurveschützen auch ist der Ankerpunkt für das Zielen wichtig und muss konsistent durchgeführt werden. Auch hier ist die Lage des Sehnenschattens als weitere Referenz in der Horizontalen entscheidend.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*