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Die Nockpunktüberhöhung ist eine wichtige Kenngröße beim Bogentuning. Ein falsch eingestellter Nockpunkt wirkt sich schlecht auf den Pfeilflug und die Gruppierung der Pfeile aus.

Hier beschreibe ich, was die Nockpunktüberhöhung ist und wie diese ausgemessen werden kann.

Nockpunkte auf der Bogensehne

Klemmnockpunkte auf der Sehne befestigen

Bei fast allen Bogenarten liegt der Pfeil etwas oberhalb der geometrischen Mitte des Bogens.
Das heißt, der Pfeil wird nicht auf der halben Länge der Sehne eingenockt und liegt auch nicht genau auf der vertikalen Mitte des Bogens auf. Statt dessen befindet sich an dieser Stelle der “tiefste Punkt” des Griffs, meistens der Griffschale. Dieser Punkt wird auch als Pivot-Punkt oder Drehpunkt bezeichnet. Der Pfeil selbst liegt dann ein paar Zentimeter oberhalb dieses Punktes auf der Pfeilauflage auf. Auch der Nockpunkt befindet sich ein paar Zentimeter oberhalb der Mitte der Sehne.

Warum gibt es eine Nockpunktüberhöhung?

Daher muss aber das Verhältnis der Kräfte des oberen und unteren Wurfarms ein wenig angepasst werden. Die Spitze des obere Wurfarms hat einen kürzeren Abstand zum Pfeil und die Spitze des unteren Wurfarms hat einen längeren Abstand zum Pfeil. Physikalisch ändern sich dadurch die Hebelkräfte. Diese Tatsache wird durch die Hersteller dadurch kompensiert, dass der obere Wurfarm etwas schwächer und der untere Wurfarm etwas schwächer ist. Diese Differenz wird mit dem Tiller bestimmt.

Beim Lösen wird nun der Pfeil durch den unteren Wurfarm etwas stärker angezogen und vom oberen Wurfarm etwas schwächer. Während der Pfeil nach vorne beschleunigt wird “wandert” nun dieser Punkt, der Nockpunkt etwas nach unten. (Das kann man sich vorstellen, als wenn beim Tauziehen ein starker und ein schwacher Gegner gegeneinander antreten. Wird am Tau in der Mitte eine farbliche Markierung angehängt, so “wandert” diese Markierung für den Zuschauer auch zum stärkeren Gegner hin.)

Damit der Pfeil aber grade beschleunigt wird muss der Nockpunkt nun um dieses zusätzliche Stück höher an der Sehne gesetzt werden. Dann “wandert” der Nockpunkt genauso weit herunter, wie der Pfeil etwas abschüssig in den Bogen eingelegt wird.

Dieser Höhenunterschied wird Nockpunktüberhöhung genannt.

Was ist die Nockpunktüberhöhung?

Die Nockpunktüberhöhung ist der Abstand der Oberkante des unteren Nockpunktes auf der Sehne zum tatsächlichen 90-Grad-Winkel der Höhe der Pfeilauflage.
Sie wird in unseren Kreisen üblicherweise in Millimetern (mm) angegeben.

Definition der Nockpunkt-Überhöhung

Definition der Nockpunkt-Überhöhung

Als Ausgangspunkt vor dem Bogentuning wird für Recurve-Bögen häufig eine Nockpunktüberhöhung von 4 mm verwendet.

Der genaue Wert wird dann im Tuning über den Blankschaft-Test ermittelt.

Ausmessen der Nockpunktüberhöhung mit dem “Checker”

Zum Ausmessen der Nockpunktüberhöhung, der Standhöhe und des Tillers wird eine Bogenlehre verwendet. Unter Bogenschützen wird diese oft mit der englischen Abkürzung “Checker” bezeichnet.

Zum Messen der Überhöhung wird der Checker mit seinen Klammern auf die Sehne gesteckt. Dabei ist es wichtig, dass sowohl das obere, als auch das untere Ende des Checkers sich auf der Mittenwicklung befindet, da die Bogenlehre sonst nicht im rechten Winkel auf der Sehne sitzt.

Nockpunkthöhe mit dem Checker ausmessen

Nockpunkthöhe mit dem Checker ausmessen

Als nächstes wird der lange Ausleger auf die Pfeilauflage aufgelegt. Dazu muss der ganze Checker auf der Sehne bzw. auf der Mittenwicklung auf und ab geschoben werden. Der Ausleger sollte nur ganz leicht und ohne Druck auf der Pfeilauflage aufliegen. Es soll auf keinen Fall ein großer Druck auf die Auflage ausgeübt werden, damit diese nicht verbiegt oder verstellt wird.

Nun kann entlang der Markierungen neben den Nockpunkten abgelesen werden, wie viele Millimeter sich die Oberkante des unteren Nockpunktes über der 90-Grad-Linie befindet.

Weiterführende Informationen

Für Trainer und interessierte Schützen habe ich auch eine Unterrichtseinheit zur Kontrolle der Nockpunkthöhe mit dem “Blankschaft-Test” vorbereitet.

Hinweis

Es gibt einige Bogenschützen, die nur einen Nockpunkt auf der Sehne verwenden. Besonders bei traditionellen Schützen und Langbogenschützen ist das weit verbreitet. Diese Schützen verwenden dann nur den oberen Nockpunkt. Daher messen diese als Nockpunktüberhöhung die Unterkante des oberen Nockpunktes. Dabei kommen jedoch auch noch weitere Maße, wie der Durchmesser (die Dicke) des Pfeils und die Art und Größe der verwendeten Nocke zum Tragen. Prinzipiell stellt das kein Problem dar, solange ein Schütze an seinem einheitlichen Material immer die gleiche Messmethode verwendet. Die Werte dürfen jedoch nicht mit der jeweils anderen Messmethode verglichen werden.

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