Home » Informationen » Allgemein » Welche Ausrüstung braucht ein Bogen-Anfänger mit dem Recurvebogen?

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In meinem Verein unterrichte ich auch immer wieder Anfänger im Bogensport. Eine der dabei am häufigsten gestellten Fragen ist die, was ein Anfänger im Bogensport außer Bogen und Pfeilen noch benötigt?

In diesem Beitrag gehe ich mal darauf ein, welche Ausrüstung ein Anfänger oder Einsteiger in den Bogensport benötigt, wenn er den olympischen Recurvebogen schießen möchte.

Der Pfeil verlässt den Bogen

Der Pfeil verlässt den Bogen

Anfängerausrüstung für den Olympischen Recurvebogen

Im Prinzip rate ich jedem Anfänger dazu, mit dem Olympischen Recurvebogen zu beginnen. Allerdings in einer reduzierten Ausstattung.

Dabei sollte der Anfänger nach Möglichkeit einen Teil der Ausrüstung zunächst bei einem Bogensporthändler mieten. Fast jeder Händler bietet ein Mietprogramm für Bogen und Wurfarme an. Der Vorteil daran besteht darin, dass die Wurfarme während der Mietdauer nach Bedarf ohne Aufpreis gegen stärkere Wurfarme umgetauscht werden können.
Darüber hinaus besteht oft die Möglichkeit, am Ende der Mietzeit die Ausrüstung zu kaufen oder den Mietpreis auf eine vergleichbare Ausrüstung anzurechnen.

Bogen und Pfeile

  • Einen Sportbogen bestehend aus:
    • Ein Mittelstück, vorzugsweise aus Metall.
      Die einfachen Metall-Mittelstücke sind für Anfänger hervorragend geeignet. Sie bieten viele Verstell- und Tuningmöglichkeiten, wie sie auch an High-End-Bögen gefunden werden können. Durch die Möglichkeit die Zugkraft der Wurfarme durch die Schrauben der Wurfarmaufnahme zu justieren kann das Zuggewicht kontinuierlich erhöht werden.
    • Wurfarme, passend zu dem Mittelstück.
      Besonders zu Beginn sollte nicht zu viel Wert auf die Wurfarme gelegt werden, da diese innerhalb der ersten Monate der Ausbildung immer wieder ausgetauscht werden.
      Die Farbe und Beschaffenheit ist daher zweitrangig. Allerdings dürfen die Wurfarme keine Beschädigungen aufweisen.
    • Eine passende Sehne mit Klemmnockpunkten aus Messing. Die Sehne darf keine Beschädigungen oder Knoten aufweisen. Ein paar Fransen gehören aber zu den normalen Abnutzungserscheinungen. Die Wicklungen an den Enden und die Mittenwicklung müssen einheitlich und durchgängig sein und fest auf der Sehne sitzen. Die Sehne selbst sollte weiß sein. Die Farben der Wicklungen sind beliebig.
      Die Sehne mit Nockpunkten gehört zum Mietprogramm mit dazu.
    • Eine Plastik-Pfeilauflage.
      Die einfachen, weißen Plastikauflagen sind ausreichend.
      Die Pfeilauflage gehört zum Mietprogramm mit dazu.
    • Ein einfaches Visier mit einem einfachen Korntunnel.
      Das Visier sollte eine Skala aufweisen und die Schrauben sollten sich fest anziehen lassen.
      Häufig gehört ein Visier bereits mit zum Mietbogenprogramm dazu.
    • Einen kurzen Frontstabilisator.
      Ein Stabilisator gehört nicht bei jedem Bogenhändler mit zum Mietprogramm.
      Es gibt jedoch Bogenhändler, die auf Nachfrage schon mal einen einfachen Stabilisator mit dazu geben oder gebrauchte Stabis für einen kleinen Preis anbieten.
  • Einen Satz Einsteiger-Pfeile aus Aluminium:
    Für die meisten Einsteiger-Pfeile eignen sich Aluminium-Pfeile besonders, da diese oft vor-konfektioniert preiswert gekauft werden können. Pfeile sind dabei immer Verbrauchsmaterial.

    • Nach Möglichkeit sollten mindestens sechs gleiche Pfeile gekauft werden.
    • Die Einsteiger-Pfeile aus Aluminium (z. B. Easton Jazz-Pfeile) sind aufgrund ihrer Farbe leichter wiederzufinden, wenn Sie auf der Schießwiese verschossen wurden.
    • Die Einsteiger-Pfeile aus Aluminium sind mit einem Metallsuchgerät schneller wiederzufinden, wenn diese doch mal etwas tiefer in der Schießwiese stecken. Einige Bogenvereine haben aus diesem Grund extra ein Metallsuchgerät.
    • Verbogene Aluminiumpfeile können mit einem Pfeilrichtgerät wieder grade gebogen werden. Viele Vereine besitzen so ein Richtgerät.
      Carbonpfeile lassen sich nicht verbiegen und sind daher etwas unempfindlicher, können bei Fehlschüssen aber brechen oder splittern. Carbonsplitter dürfen nicht mit bloßen Händen angefasst werden. Außerdem dürfen alte Carbonpfeile nicht einfach über den Hausmüll entsorgt werden, sondern sollen zur Sondermüll-Sammelstelle gebracht werden.
    • Zusätzlich sollten auch gleich ein paar Ersatz-Nocken und Ersatz-Federn passend zu den Pfeilen gekauft werden.

Persönliche Ausrüstung

Jeder Bogenschütze benötigt ein paar Gegenstände als persönliche Ausrüstung. Dazu gehört auch die Schutzausrüstung. Diese Dinge müssen in aller Regel gekauft werden.

  • Zur Schutzausrüstung gehören:
    • Ein Armschutz für den Bogenarm.
      Vor allem für den Anfänger sollte der Armschutz lieber etwas größer ausfallen. Solange die Bogenarmdrehung noch nicht durchgehend gehalten werden kann kommt es immer wieder vor, dass der Einsteiger sich mit der Sehne “auf den Arm schießt”. Dabei schlägt die Bogensehen gegen den Unterarm oder gegen das Ellenbogengelenk. Dies kann recht schmerzhaft sein und hinterlässt oft hässliche blaue Flecken. Daher sollte der Armschutz für den Anfänger auch das Ellenbogengelenk mit abdecken.
      Es ist wichtig, dass der Armschutz sich eng um den Unterarm anlegen lässt und nicht zu weit ist. Daher gibt es den Armschutz auch in unterschiedlichen Größen oft mit verstellbaren Riemen mit Klett-Verschluss oder Klipps.
      Einen brauchbaren Armschutz kann man für unter 10 € kaufen.
    • Ein Streifschutz für den Oberkörper.
      Da beim Ausziehen der Sehne und beim Ankern unter dem Kinn die Bogensehne unweigerlich mehr oder Kontakt mit dem Oberkörper haben wird ist es wichtig, einen Streifschutz zu tragen. Dieser dient nicht in erster Linie dazu, denn Schützen vor der Sehne zu schützen, sondern davor, dass die Sehne an der Kleidung entlangscheuert und dadurch schneller verschleißt. Ein Streifschutz wird immer auf der Bogenarmseite quer über Arm und Brust getragen.
      Ein Streifschutz muss bequem sein und eng anliegen. Daher werden diese auch in unterschiedlichen Größen und mit unterschiedlichen Einstellmöglichkeiten angeboten.
      Ein einfacher Streifschutz kostet 10-15 €.
    • Ein Tab (Fingerschutz) für die Zughand.
      Ein Tab (Fingerschutz) für Bogenschützen
      Das Tab muss dabei für das Recurve-Schießen geeignet sein. Es besteht aus einem Stück Leder und wird über den Zeigefinger, Mittelfinger und Ringfinger der Zughand getragen. Zwischen Zeigefinger und Mittelfinger muss eine Aussparung für den Pfeil sein. Außerdem sollte zwischen Zeigefinger und Mittelfinger noch ein Fingertrenner vorhanden sein. Es gibt auch Tabs mit einer sogenannten Ankerplatte über dem Zeigefinger. Davon rate ich grundsätzlich, besonders aber für Einsteiger ab. Beim Ankern muss die Zughand fest unter dem Kinn positioniert werden und dann beim Lösen eng am Hals entlang geführt werden. Die Ankerplatten aus Kunststoff oder Metall sind dabei eher hinderlich oder können sogar Unbehagen auslösen.
      Tabs werden für Rechts- und für Linkshandschützen, sowie in unterschiedlichen Größen und Ausstattungen angeboten.
      Brauchbare Tabs gibt es für 5 bis 10 €.
    • Eine Fingerschlinge für die Bogenhand.
      Fingerschlinge
      Ein ordentlicher Bogenschütze hält seinen Bogen beim Schießen nicht fest! Damit der Bogen dann nicht aus der Hand gleiten kann und herunterfällt gibt es spezielle Fingerschlingen im Bogenfachhandel. Ein breiter, langer Schnürsenkel erfüllt den gleichen Zweck, wenn er richtig verknotet wird.
      Meine Empfehlung ist, gleich von der ersten Unterrichtsstunde an eine Fingerschlinge zu verwenden. Es werden auch Bogenhandschlingen oder Bogenschlingen angeboten, die um das Handgelenk gelegt werden. Davon halte ich allerdings nicht viel, da diese deutlich schwieriger in der Anwendung sind und nicht so gut zum gewünschten Ziel führen.
      Eine Fingerschlinge kostet 5 €, ein langer, breiter Schnürsenkel reicht aber vollkommen aus.
  • Zur weiteren persönlichen Ausrüstung gehören:
    • Ein Köcher für die Pfeile.
      Da die Pfeile nicht die ganze Zeit über in der Hand getragen oder auf den Boden gelegt werden sollen gibt es Pfeilköcher.
      Ein Pfeilköcher wird dabei seitlich am Körper auf der Seite der Zughand getragen.
      Dabei gibt es Köcher mit oder ohne mitgelieferten Gürtel. Die Köcher ohne Gürtel haben oft einen Metallhaken, mit dem dieser an einem vorhandenen Gürtel oder auch mal an der Hosentasche eingehängt werden kann. Ein Köcher mit Gürtel wird über der Kleidung um den Bauch getragen.
      Oft verfügen die Köcher auch noch über ein oder mehrere Taschen, in denen das Tab zwischen den einzelnen Schießdurchgängen und andere Dinge, wie Pfeilzieher, Visierzettel, Notizen und Stifte mitgeführt werden können.
      Etwas bessere Köcher kosten auch gerne schon etwas mehr – zwischen 20 € und 50 € – bieten aber eine Menge Komfort und sind lange haltbar.
      Einfach Köcher kosten unter 10 €.
    • Eine Bogentasche oder ein Bogenrucksack.
      Ein einer Bogentasche kann der Bogen, also das Mittelstück, die Wurfarme, die Sehne, das Visier und der Stabi ordentlich eingeräumt und transportiert werden.
      Die Schutzausrüstung passt oft auch noch gut mit in die Tasche rein. Für die Pfeile und den Köcher kann es da manchmal schon mal etwas enger werden. Entweder lässt man die Pfeilenden (nicht die Spitze, sondern das andere Ende mit der Nocke) aus der Tasche herausstehen oder trägt den Köcher mit den Pfeilen extra.
      Bei den meisten Bogenhändlern gibt es eine einfache Bogentasche mit im Mietprogramm für den Leihbogen.
      Etwas bequemer und geräumiger sind die speziellen Bogenrucksäcke. Hier ist oft eine extra Innentasche für das Mittelstück und die Wurfarme vorhanden und auf der Außenseite gibt es Taschen mit Innenfächern für das Visier, weitere Ausrüstung, Werkzeuge sowie auch für Verpflegung.
      Bogenrucksäcke sind oft auch mit einem Pfeilrohr ausgestattet, das in der Länge an die eigenen Pfeile angepasst werden kann und so einen optimalen Schutz bietet. Häufig ist auch gleich ein passender Regenschutz mit dabei. Wer mit dem Fahrrad zum Bogentraining fährt wird die Vorzüge eines Rucksack schnell zu Schätzen wissen.
      Eine einfache Bogentasche kostet unter 10 €.
      Einen brauchbaren Bogenrucksack gibt es für 50 € bis 80 €.

Weitere sinnvolle Ausrüstung

Während die bisherigen Gegenstände ganz oben auf der Einkaufsliste stehen sollten kommen wir nun zu ein paar Dingen, die ganz am Anfang noch nicht so wichtig sind. Es hängt auch stark davon ab, welche Möglichkeiten im Bogenverein oder auf der Schießwiese vorhanden sind. Spätestens nach den ersten paar Schießstunden wird jeder merken, ob er oder sie einen oder mehrere der nachfolgenden Gegenstände auch gebrauchen kann.

  • Ergänzende Ausrüstung:
    • Ein Pfeilzieher zum entfernen der Pfeile aus der Zielscheibe.
      Ein Pfeilzieher ist einfach eine dicke Gummischeibe mit einer oder zwei unterschiedlich großen Kerben. Dabei ist ein Pfeilzieher die schonende Art einen Pfeil aus der Zielscheibe zu ziehen. Vor allem bei schlechtem Wetter, wenn die Pfeile nass sind oder bei schwitzigen Händen sind Sie oft die einzige Möglichkeit, die Pfeile leicht aus der Scheibe ziehen zu können. Pfeilzieher gibt es in unterschiedlichen Farben, Formen und Größen. Er muss vor allem gut in der Hand liegen und sich gut zusammendrücken lassen.
      Brauchbare Pfeilzieher gibt es ab 5 €.
    • Eine Spannschnur zum Aufspannen des Bogens.
      Es gibt Vereine, die eine spezielle Vorrichtung zum Aufspannen der Bögen haben. Meistens ist dies in der Form von zwei Pflöcken an einer Wand. An den unteren Pflock wird der untere Wurfarm angelegt und an den oberen das Griffstück. Dann kann der Bogen durch Ziehen am oberen Wurfarm gespannt und die Sehne eingehängt werden.
      Ist so eine Möglichkeit nicht vorhanden so bietet sich eine Spannschnur für den Bogen an. Es gibt zwar auch Möglichkeiten, einen Bogen zu spannen indem man sich diesen zwischen den Beinen und dem Gesäß einklemmt, davon rate ich aber jedem – vor allem Anfängern – ab. Der Bogen kann dabei leicht verdreht und dauerhaft beschädigt werden. Es besteht auch eine gewisse Verletzungsgefahr.
      Eine Spannschnur kostet unter 5 €.
    • Ein Checker oder Bogenlehre zum Messen und Überprüfen der Standhöhe.
      Nockpunkthöhe mit dem Checker ausmessen
      Um reproduziere Schüsse mit einem Bogen abgeben zu können ist es irgendwann erforderlich, sich auch mit den Einstellmöglichkeiten und Tuningmaßnahmen an einem Bogen vertraut zu machen. Eine der wichtigsten Kennwerte ist dann die Standhöhe die von Stunde zu Stunde konstant gehalten werden soll und nach jedem Aufbauen des Bogens überprüft wird.
      Ein Checker kostet zirka 7 €.
    • Sehnenwachs zum Pflegen der Bogensehne.
      Neue Sehnen sind normalerweise gut eingewachst. Nach den ersten paar Stunden wir sich dieses Wachs aber aufgebraucht haben und die Sehne sollte nachgewachst werden.
      Das Wachs schützt die Sehne vor Wasser und vor Schmutz und hält die Fasern geschmeidig. Trocknet die Sehne aus, dann gibt es mehr Reibung zwischen den Fasern und sie altert schneller und beginnt auszufransen.
      Synthetisches Sehnenwachs ist speziell auf die Ansprüche der Kunstfasern abgestimmt und schützt und schmiert diese.
      Für den Notfall kann auch mal echtes Bienenwachs verwendet werden, das künstliche Paraffin ist jedoch nicht geeignet.
      Ein Stift Bogenwachs kostet nur ein paar Euro, hält aber viele Jahre.

Die hier vorgestellte Ausrüstung stellt mal einen soliden Anfang dar.

Wenn Du noch weitere Vorschläge zu Anfänger-Ausrüstung für den Olympischen Recurvebogen kennst, nur her damit in die Kommentare.

One thought on “Welche Ausrüstung braucht ein Bogen-Anfänger mit dem Recurvebogen?

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